Friedrich Ehrbar und die Klaviermanufaktur Ehrbar

Friedrich Ehrbar wurde am 26. April 1826 in Hildesheim geboren. Da seine Eltern zwei Jahre nach seiner Geburt an der asiatischen Cholera starben, wurde er im Waisenhaus erzogen, wo er sich als Autodidakt das Gitarre spielen beibrachte und großen Gefallen daran fand, Instrumente zu basteln. Als diese musikalisch-technische Begabung entdeckt wurde, schickte man ihn im Alter von vierzehn Jahren zum berühmten Klavier- und Orgelbauer Frederici in Hannover in die Lehre. Mit einundzwanzig Jahren begab sich Ehrbar auf die Gesellenreise und fuhr von Hannover den Rhein entlang nach Frankfurt, Nürnberg und über Regensburg nach Wien, wo er am 12 November 1848 eintraf. Dort begann er gemeinsam mit Heinrich Steinweg, der später nach Amerika auswanderte und dort unter dem Namen Henry Steinway Weltruhm erlangte, bei Eduart Seuffert ein Praktikum. Friedrich Ehrbar und Henry Steinway verband eine dauernde Freundschaft, die sich in späteren Jahren auch fruchtbar auf die Verbesserung der Ehrbar-Klaviere auswirkte. So übernahm Ehrbar 1866 als erster Klavierbauer in Wien den von Steinway patentierten Gusseisenrahmen mit kreuzseitiger Bespannung.

Schon nach neunmonatiger Tätigkeit bei Seuffert wurde Ehrbar zum Geschäftsführer der Klaviermanufaktur ernannt. In dieser Zeit verfertigte er im Auftrag Seufferts eigenhäöndig sechs Klaviere, die 1854 bei der Industrieausstellung in München wegen Herstellung von flügelförmigen Pianos von außerordentlich großem und schönem Ton, wie es hieß, die erste Preismedaille erhielten.

1855 starb Seuffert. Seine Witwe führte den Betrieb noch zwei Jahre zusammen mit Ehrbar weiter, ehe die beiden 1857 eine Vernunftehe schlossen. Mit der Übernahme der Klavierfabrik Seuffert durch Friedrich Ehrbar erlangte die Firma einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung.

Ehrbar war um technische Neuerungen, Umgestalltungen und Verbesserungen äußerst bemüht. Neben der schon erwähnten Einführung des Steinwayschen Vollgusseisenrahmens mit kreuzseitiger Bespannung, erfand er das Ehrbarsche Prolongement, eine spezielle Mechanik, mit deren Hilfe sich Töne und Akkorde mittels Pedal beliebig verlängern ließen.

Außerdem stammt von Friedrich Ehrbar die Erfindung des Cellobodens, eines speziellen Resonanzbodens, mit dem durch eine charakteristische Wölbung ein einzigartiger Klang erziehtlt werden konnte.

Aufgrund dieser Verbesserungen und Erfindungen wurden die Ehrbarschen Klaviere auf internationalen Ausstellungen immer wieder ausgezeichnet.

Aus der Kundenliste des Hauses Ehrbar ist ersichtlich, dass wichtige Persönlichkeiten des Wiener Musiklebens, wie Eduard Hanslick, Franz Lehar oder Gustav Mahler Ehrbar Klaviere kauften. Auch das Kaiserhaus wurde mit Klavieren der Firma Ehrbar beliefert. So hatten Kaiseri Elisabeth und Kronprinz Rudolf einen Flügel von Ehrbar zur Verfügung.

Ehrbar selbst wurden viele Auszeichnungen zuteil. Die wohl wichtigste unter ihnen war der Titel K u. K. Hoffortepianofabrikant, der ihm 1859 verliehen wurde. Nach dem Tod seiner Frau Rosa heiratete Ehrbar in zweiter Ehe Marie, die Tocheter des k.k. Vice-Hofkapellmeisters Benedict Randhartinger.

Ehrbar war in Wien als Fabrikant, als Entdecker junger Talente, als bedeutender Sammler von Kunstwerken und als Mäzen bekannt. Viele seiner Malerfreunde, wie Carl Moll, Eduart Charlemont, Hugo Darnaut und Carl von Blaas unterstützte er großzügig. Durch seinen Konzertsaal, der ein Zentrum des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens Wiens geworden war, übte er, wie auch Ludwig Bösendorfer, großen künstlerischen Einfluss aus. Friedrich Ehrbar starb am 23. Februar 1905.

1898 übergab Friedrich Ehrbar die Firma an seinen Sohn, der schon seit 1892 bie seinem Vater in der Klaviermanufaktur mitarbeitete. Friedrich Benedikt Ehrbar setzte die Klaviermanufaktur und Entwicklung des Klavierbaus genauso erfolgreich fort wie sein Vater. Im Alter von fünfundzwanzig Jahren organisierte er die Schau der Wiener Klavierbaukunst anlässlich der Jubiläumsausstellung der Industrie 1898 im Palais Augarten. Außerdem schuf er das Opus 10.000, dass für Erzherzog Otto bestimmt war. Es handelte sich dabei um einen Riesenflügel von beinahe 7 Metern Länge, der vor der Auslieferung im Jahre 1898 im Rahmen eines Philharmonischen Konzertes im Musikverein mit Liszt Es-Dur Klavierkonzert eingeweiht wurde.